Poesie.

  Ich habe meine Töchter reden lassen;
Und was sie sprachen, sprachen sie durch mich,
So kann ich selb mich nun in's Kurze fassen,
Denn was sie sind zusammen, das bin ich.
Musik hat ihres Tones Füllen nur,
Und Malerei nur ihren Bilderhort,
Ihre Gestalt Skulptur, Architektur
Ihr Ebenmaß erhalten nur durch's Wort.
Das Wort, das durch den Mund des Herren ging,
Und einst hat sichtbar diese Welt erbaut,
Das Wort, so Fleisch zum Heil der Welt empfing,
Daß leiblich es gehört werd' und geschaut:
Ich bin des Worts demüth'ge Dienerin.
Ihr alle, die ihr euch genannt die meinen!
Zum Dienst des Wortes, dessen Magd ich bin,
Fordr' ich euch auf, mit mir euch zu vereinen.
Des Wortes Kraft durch Worte zu entfalten,
Dies hohe Amt ist vor der Welt das meine;
Ihr aber sollt aus eure Art gestalten
Dasselbe, daß sein Preis vielfältig scheine.
  Heut' sind wir hier nicht in so ernstem Dienst,
In einem doch, der jenem nicht mißziemt:
Ein heitres Fest durch unsre Gegenwart
Zu schmücken, das die Jünger, die wir lieben,
Sich selb und Einem geben, der uns liebt.
Die Malerei hat aus dem Schwesterchor
Besonders sich hervorgedrängt, den andern
Das neidenswerthe Amt hinweggehascht,
Die geist'ge Wirthin dieses Mahls zu machen.
Sie hat uns selbst im Bilde hier versammelt,
Wo wir, zum Aug' in lichten Farben redend,
Des Worts für diesmal kaum bedürftig sind.
Zur Seite hier, auf diesem Nebenbild,
Hat sie die alten Meister vorgerufen,
Die Künstler jeder Art, und aller Zeit,
Aus allen Himmelsgegenden hierher
Zu unsrer jüngsten Meister Fest versammelt.
Genüber aber aus dem andern Feld,
O seht, entgegen tritt dem Künstlerchor
Ein anderer von alten Kunstbeschützern.
Denn Kunst, die zwar ihr sichres Erbtheil droben
Im Himmel hat, bedarf, solange sie
Auf Erden geht, des ird'schen Schutzes wohl.
Wie ziehen sich die beiden Chöre an,
Und streben liebend vorwärts, geneinander!
Gewiß, sie werden in der rechten Mitte
Sich finden, wo der Kunst aus Fürstenschutz
Dem Fürsten aus den Künsten, die er schützte,
Der gegenseitige Gewinn erwächst.
Da hat nun, der bei jeder Kunst gern spukt,
Hier unten auch der Witz sich hingehuckt,
Geschildert in gemalten Basrelieffen
Geschichten, die vortrefflich sind und treffen:
Hier wie die alten Mauern Jerichos
Einstürzen vor der Kunsttrompeten Stoß;
Hier wie des Augias versäumten Stall
Herakles reinigt vom verjährten Schwall;
Hier wie für ihr verräthrisches Geflister
Simson mit lust'gem Kolben trifft Philister.
Wir alle fühlen hier uns nicht getroffen,
Drum darf der Witz von uns Verzeihung hoffen.
Witz ist unschädlich, den ich halt' am Zügel;
Ich nehm' ihn unter meine breiten Flügel,
Sammt allem andern, wie's hier ist gethan;
Wer wagt es nun und ficht es weiter an?