Der alte Pax.

Vor dem Mühlenthore,
  Wo nicht Mühlen sind zu sehn,
  Sah ich doch im Flore
  Reizende Gewächse stehn.
Blühender Hollunder
  Stand dem alten Kasten nah,
  Und ich fing wie Zunder
  Feuer, als die Beut' ich sah.
Dacht' ich denn, daß Leute;
  Andre Leute wohnten hier,
  Die mir eine Beute
  Streitig machten im Revier?
Und die vollsten Dolden
  Hatt' ich bald mir abgeknickt,
  Aber von unholden
  Augen ward ich angeblickt.
Sieben Stadtsoldaten
  Deren einen ich gekränkt,
  Mir entgegen traten,
  Ihre Spieß' auf mich gesenkt.
Und es sollt' ein Sträußchen,
  Das ich mir in Unschuld nahm,
  Mich in's Wachstubhäuschen
  Bringen, wenn kein Retter kam.
Doch her fah ich schreiten
  Unsern Freund, den alten Pax,
  Liebreich auf die Seiten
Nahm er einen alten Stax.
  Sprach: Schleppt diesen Buben
  Nicht in eure Mäuseschanz'!
  In der dunklen Stuben
  Läßt er euch kein Fenster ganz.
’s ist ein Amtmannsbube
  Droben aus dem Haßbergsland
  Der bei Kraut und Rube
  Nicht gelernt hat Stadtverstand.
Nicht nur Blüthenrispeln
  Hält er für sein Leibgeding,
  Holzbirn' auch und Mispeln,
  Mehlbeer, Schlee nnd Speierling.
Aber seinem Vater
  Sag' ich's, der ihn ziehen soll.
  Schnur nicht, alter Kater,
  Nimm den Deut und trink dich voll:
Doch du lockrer Zeisig,
  Meide künftig diesen Hag!
  Flieg nach Haus, sei fleißig,
  Lerne deinen Finkenschlag!
Kennst nun die Soldaten,
  Aus dem Staube mach dich stracks!
  Daß sie dich nicht braten,
  Danke du's dem alten Pax!
Ob ich dir es danke?
  Alter Schnurrengeneral,
  Der mit manchem Schwanke
  Uns die kind'schen Herzen stahl!
Nun, das Bademecum
  Deiner Witz' ist anch verbraucht,
  Und du ruhsh Pax tecum;
  Wo der Frieden ewig haucht.
Immer unzufrieden
  Mit der Welt, doch gottvergnügt,
  Wie dir's war beschieden,
  Hast du friedlich dich gefügt.
Wohl aus diesem Grunde
  Wardst du Pax im Scherz genannt:
  Oder bessre Kunde
  Ist davon mir unbekannt.
Doch auf diesen Triften,
  Wo der Jugend Honigseim
  Träufelt laß dir stiften
  Zumk Eedächtniß diesen Reim!